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Kinder mit Juveniler Neuronaler Ceroid-Lipofuscinose (JNCL)

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4. Pädagogische Herausforderung

Mit den Themen Tod und Sterben wird ein gesellschaftliches Tabuthema berührt, und Eltern und Lehrer tun gut daran, sich bei aller Schwere der Situation auf die Konfrontation und den Dialog mit ihrem Kind vorzubereiten. Voraussetzung dafür ist, daß sie sich mit dem Thema des Sterbens selbst auseinanderzusetzen bereit sind und es nicht zu verdrängen versuchen. Dann erst können sie ihren Kindern die wichtige Stütze und Hilfe sein, wenn diese sich besonders in der Phase ihres rapiden Abbaus mit dem eigenen Sterben auseinandersetzen. Daß schwerkranke Kinder und Jugendliche dies tun, steht außer Zweifel (Haupt 1991).

Schüler mit JNCL werden je nach Stadium der Erkrankung in der Regel zunächst in Sehbehinderten-, später in Blindenschulen in Klassen für Mehrfach- oder Schwerstbehinderte sonderpädagogische betreut.
Die pädagogische Herausforderung der Betreuung und Begleitung JNCL-kranker Schüler besteht zum einen darin, die Zielsetzungen sonderpädagogischer Erziehung, die auf Zuwachs an Fähigkeiten und Kompetenzen ausgerichtet ist, neu zu bestimmen. Ist es das erklärte Fernziel der Pädagogik, die Schüler auf ein zukünftig selbstbestimmtes Leben vorzubereiten und ihnen dazu zu verhelfen, als Erwachsene einen Platz in der Gesellschaft einzunehmen, so müssen diese Ziele im Hinblick auf den zunehmenden körperlichen und geistigen Abbau des Schülers mit JNCL und dessen frühen Tod revidiert werden.
In den Jahren vor dem Abbau der kognitiven Fähigkeiten können die Kinder mit JNCL in den Regelklassen der Sehbehinderten- bzw. Blindenschule alters- bzw. entwicklungsgemäß unterrichtet werden. Sie können unter Umständen die Braille-Schrift lesen und schreiben lernen und in anderen Schulfächern Lernerfolge erzielen. Doch bereits in den Jahren der Stagnation (11.-15. Lebensjahr), wenn auch die kognitiven Fähigkeiten des Schülers stärker eingeschränkt sind, können von Tagesform und Stimmung abhängige Leistungs-schwankungen eintreten, so daß tageweise Unterrichtsinhalte neu konzipiert werden müssen.

Die zweite Herausforderung betrifft den betreuenden Pädagogen bzw. das betreuende pädagogische Team (Klassenlehrer, Fachlehrer, Erzieher, evtl. vorhandene Zivildienstleistende). Wenn sie erstmals solche oder ähnliche Krankheitsverläufe miterleben, sind sie davon tief betroffen und erschüttert und geraten nicht selten in berufliche Identitätskrisen.
Der Sonderpädagoge ist also nicht per se zur sonderpädagogischen Arbeit mit progredient kranken Schülern befähigt. Gründe hierfür können zum einen in der mangelnden Wertschätzung dieses Themenbereichs in der universitären Ausbildung liegen, zum anderen spiegeln sie aber auch den gesellschaftlich unsicheren, ja tabuhaften Umgang mit diesem Themenkomplex wider. Unvermeidbare Voraussetzung für denjenigen, der sich in die Betreuung und Begleitung unheilbar kranker Schüler begibt, ist jedoch die persönliche Auseinandersetzung mit den existentiellen Themen von Leben, Sterben und Tod. Für die Betreuung und Begleitung des Schülers mit JNCL bedeutet dies ganz konkret, daß sich der Lehrer auf die Auseinandersetzung mit dem Schüler vorbereiten muß. Er sollte deshalb über seine persönlichen Vorstellungen und Werte, seine Ängste und offenen Fragen hinsichtlich eigener religiöser, ethischer und/oder philosophischer Gedanken und Gefühle bezüglich des Lebens, des Sterbens, des Todes und eventueller Jenseitsvorstellungen reflektieren. Dazu ist es sicherlich auch wichtig und nützlich, in puncto Bewältigung der persönlich emotional belastenden Situation der Begleitung des todkranken Schülers, mit allen Beteiligten (Kollegen, Eltern, Therapeuten, Ärzten, u.a.) in einem Gedankenaustausch und eine Kooperation einzutreten.

Wenn im weiteren Verlauf der Begleitung die erzieherisch-pädagogischen Bemühungen und Interventionen nicht mehr auf eine Zukunft abzielen können, so erlangen sie ihre Rechtfertigung nur durch die sinnvolle Ausgestaltung der Gegenwart.
Eine pädagogisch-erzieherische Betreuung, die zum Ziel hat, jeden Tag so angenehm und sinnvoll wie möglich zu gestalten, orientiert sich an den unmittelbaren Bedürfnissen und dem aktuellen Leistungsniveau des kranken Schülers. Zur Verwirklichung dieses übergeordneten erzieherischen Ziels können im wesentlichen drei Aspekte beitragen:

  
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