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Kinder mit Juveniler Neuronaler Ceroid-Lipofuscinose (JNCL)

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Die Wesensveränderung: Schon in der Zeit nachlassenden Sehvermögens sind die Kinder der ungeheuren psychischen Belastung ausgesetzt, mit dem Verlust der Sehkraft fertig werden zu müssen. Ängste, Fragen und Unsicherheiten tauchen auf, müssen bewältigt und ausgehalten werden. Während des gesamten Krankheitsprozesses, vor allem aber im Jugendlichenalter, kommt es bei den JNCL-Patienten zu einer Veränderung ihres gesamten Wesens (Boustany u. Filipek 1993). Aus psychologischer Sicht ist es eine in ihrer Situation durchaus verständliche und angemessene Traurigkeit, resultierend aus dem Erleben ihres sich verschlechternden Gesamtzustandes. Die anhaltende Depressivität kann in eine psychogene Depression überleiten. Symptome dieser Erschöpfungsdepression sind vor allem Gleichgültigkeit, Apathie, Rückzug, Kraftlosigkeit, Schmerzempfindlichkeit, Schlaf- und Appetitmangel, aber auch aggressive Ausbrüche.
Im Laufe der fortschreitenden Erkrankung stellt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit aufgrund der Hirnveränderung eine somatogene, also organisch bedingte Depression ein. Die Symptome der somatogenen sind denen der psychogenen Depression ähnlich. Allerdings treten häufig gravierende Begleitsymptome hinzu, sog. psychotische Erscheinungen. Diese können sein: Reizbarkeit, Aggressivität und Ruhelosigkeit, plötzliche Wutausbrüche, körperliche Gewaltbereitschaft, Schlaflosigkeit, Appetitlosigkeit, lebhafte visuelle und auditorische Halluzinationen, verknüpft mit paranoiden Wahnvorstellungen, Angstzuständen, autoaggressivem Verhalten und zwangsartige Handlungen sowie der häufig auftretende Verlust des Tag-Nacht-Rhythmus. Einer ernsthaften psychotischen Krise kann nur durch Medikamentengabe erfolgreich begegnet werden . Es ist dabei nicht leicht zu unterscheiden, welche der psychischen Symptome aus der Hirnveränderung und welche aus dem Erleben der Hilflosigkeit und Frustration der eigenen Situation resultieren, welche Symptome lediglich die Angst und Unsicherheit der sozialen Umgebung widerspiegeln und welche Symptome mögliche Nebenwirkung verabreichter Medikamente sind.


2.4 Epidemiologische und genetische Aspekte

Die JNCL kommt weltweit vor und ist in allen Ethnien beobachtet worden. Sie gilt als eine der häufigsten erblich bedingten, progressiv-neurodegenerativen Erkrankungen des Kindesalters. Die Inzidenzrate, d.h. die Vorkommenshäufigkeit der JNCL, beträgt in Deutschland umgerechnet ca. 1:140.000 Lebendgeburten. Von JNCL sind männliche wie weibliche Patienten gleichermaßen betroffen. Die Krankheit wird rezessiv vererbt.

Die Diagnose der JNCL ist durch die elektronenmikroskopische Untersuchung von Körperzellen des Erkrankten relativ leicht und sicher zu stellen. Die Lipoid-Zelleinschlüsse lassen sich deutlich erkennen, da sie in Form und Aussehen charakteristisch sind (Zeman u. Goebel 1992). Gründe für den sich häufig unnötigerweise über Jahre hinziehenden diagnostischen Irrweg sind Fehlinterpretationen der Symptome und/oder ärztliche Unkenntnis der Krankheit.


  
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