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Kinder mit Juveniler Neuronaler Ceroid-Lipofuscinose (JNCL)

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Nur wenn der Übergang schrittweise vollzogen und vorher die Möglichkeit geschaffen wurde, daß der Schüler seine neue Klasse und das neue Team von Pädagogen kennenlernen konnte, dann kann der Wechsel, der vom Schüler als weiterer Rückschritt und Verlust erlebt wird, weniger belastend sein.
Aktivitäten der Gruppe schaffen stets gemeinsame Erlebnismomente, fördern das Gefühl der Zusammen- und Zugehörigkeit, Geborgenheit und Sicherheit und sind deshalb bedeutsame Bestandteile des schulischen Alltags. Für die Zukunft liefern diese den Füllstoff für das später so wichtige Erinnerungsreservoir. Aus der gemeinsamen Erinnerung schöpft der kranke Schüler Lebendigkeit und Freude und es erwächst ein Gefühl der Nähe, Vertrautheit und Geborgenheit.
Aber aus der Erinnerung an frühere Erlebnisse können auch Gefühle der Trauer, Wut und Frustration über Verlorenes erwachsen. Denn in das Bewußtsein des Jugendlichen tritt auch, daß er sich verändert hat, daß sein körperlicher Abbau weiter vorangeschritten ist. Der Schüler realisiert, daß die Kluft zwischen seinen und den Fähigkeiten und Leistungen der Mitschüler angewachsen ist. Die seelischen Folgen können Depression und Frustration, Rückzug oder Aggressivität sein.
Diese Reaktionsweisen des Schülers führen häufig zu gestörtem Sozialverhalten, was es ihm zusätzlich erschwert, sein großes Bedürfnis nach sozialem Kontakt zu befriedigen. Vor allem in der mittleren und fortgeschrittenen Phase, wenn die Kinder und Jugendlichen mit JNCL in ihrer Persönlichkeitsstruktur erheblich gestört sind, ergeben sich Probleme innerhalb der Klassengemeinschaft. Ihr zeitweise unangemessenes Verhalten, u.U. Ausdruck psychotischer Zustände, wirkt auf die anderen Schüler provozierend, irritierend oder beängstigend. Die Gefahr der Desintegration des Schülers zu verhindern, hängt entscheidend davon ab, wie es den Bezugspersonen gelingt, dessen Gefühle der Angst, der Ohnmacht, der Wut und Frustration aufzufangen, von der Gruppe der Mitschüler fernzuhalten und auf produktive Ausdrucksmöglichkeiten und -formen zu lenken. Es sollte daher im Interesse aller die Möglichkeit bestehen, das Kind zeitweise in Einzelbetreuung von der Gruppe separieren zu können.
Da den Mitschülern der physische und psychische Abbauprozeß des Schülers mit JNCL in der Regel nicht verborgen bleibt, bedarf es einer besonderen Aufklärung, Betreuung und Unterstützung der gesamten Klassengemeinschaft.


4.3 Emotionale Unterstützung gewähren

Einige generelle Faktoren des täglichen Unterrichts und Miteinanders können dazu beitragen, die Persönlichkeit des Kindes und das seelische Gleichgewicht zu stabilisieren. Kontinuität und Harmonie sind zwei wesentliche Voraussetzungen zur Wiedererlangung seelischer Stabilität. Für den durch seine Erkrankung und das Erlebnis des körperlichen Abbaus zutiefst verunsicherten Schüler kann eine ‘äußere’ Stabilität eine wesentliche Grundlage dafür sein, eigene ‘innere’ Stabilität aufzubauen. Diese Rahmenstabilität setzt sich zusammen aus der Kontinuität in der Klassenraumgestaltung, im Tagesablauf und in den personellen Beziehungen. Dazu gehören auch feste Rituale, wie etwa Morgenkreis, Abschiedsrunde, gemeinsame Mahlzeiten, Lieder oder Singspiele, und eine dem Kind bzw. Jugendlichen Sicherheit vermittelnde Tagesstruktur. Innerhalb dieser festen Struktur sollte versucht werden, durch abwechslungsreiche Themen- und Methodenangebote die Neugier und das Interesse des Kindes zu wecken. Die Unterrichtszeit sollte stets auch neue, spannende und lustige Elemente enthalten, die die Aufmerksamkeit des Kindes erregen und es zum Mitmachen animieren. Kleine Freuden, Überraschungen, Spaß und Ausgelassenheit verleihen dem Alltag der Schüler mit JNCL Abwechslung und Farbe.
All diese Bemühungen können jedoch nicht verhindern, daß der Schüler durch seine und auch wegen seiner Krankheit leidet. Für die von der JNCL betroffenen Kinder bzw. Jugendlichen ist es in allen Phasen der Erkrankung von äußerster Wichtigkeit, angesichts der Abbauprozesse, die vom Schüler sehr wohl bewußt wahrgenommen werden, stabile emotionale Fürsorge und Unterstützung zu erfahren.
Die pädagogischen Herausforderungen dabei können am wirkungsvollsten in Kooperation mit allen pädagogischen Kräften umgesetzt werden; die Wichtigkeit der Zusammenarbeit mit den Eltern, bzw. der Familie sei an dieser Stelle betont. Der Austausch zu Fragen und Problemen rund um das Kind und dessen Erkrankung gewährleistet einen Informationsfluß, von dem alle Beteiligten, nicht zuletzt das kranke Kind, profitieren können.


  
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